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Die Carmina Burana

Aufführung der Carmia Burana von Carl Orff in der Beethovenhalle Bonn unter Mitwirkung des Bonner Männer-Gesang-Vereins (Leitung: Dr. Marc Mönig), des Neuen Chors Neheim (Leitung: Hartwig Diehl), des Flügelschlag­quartetts und des Philharmonischen Collegiums Bonn.
Solisten: Constanze Meijer (Sopran), Johann Moritz von Cube (Tenor), Thomas Peter (Bariton).

Aufführung im Sauerlandtheater Arnsberg im November 2009 mit allen oben genannten Beteiligten aus Bonn vor ausverkauftem Haus.

Wir danken der Bürgerstiftung Arnsberg für die großzügige Unterstützung!

Carl Orff (1895-1982): Carmina Burana

1934 entdeckte Orff die 1847 im Druck erschienenen Carmina Burana aus dem 12. Jahrhundert. Diese Handschrift aus Benediktbeuern enthält weltliche Lieder verschiedenster Art. Die Begegnung mit diesen Texten faszinierte Orff so sehr, daß ihn „Bild und Worte überfielen“, wie er sich später erinnerte, und er noch am selben Tag den ersten Chorsatz „O Fortuna“ skizzierte. Orff wählte aus den über 250 – oft vielstrophigen – Liedern einige wenige Texte aus, die dadurch in neue Zusammenhänge gerieten. „Der mitreißende Rhythmus, die Bildhaftigkeit dieser Dichtungen und nicht zuletzt die vokalreiche Musikalität und einzigartige Knappheit der lateinischen Sprache“ fesselten ihn.
Als großes Symbol steht über dem ganzen Werk das Glücksrad der Fortuna. Das ewige Kreisen der Welt zwischen Glück und Unglück, Aufstieg und Niedergang vertont Orff mit wenigen, immer wiederkehrenden Mitteln in einem großen Chorsatz, der am Anfang und Schluss des Werkes steht. Der Mittelteil besteht aus einzelnen Bildern: „Uf dem Anger“ – auf dem Dorfplatz; „In Taberna“ – in der Schänke; „Cour d´Amour“ – eine liebliche Musik voller Erotik. Zum Höhepunkt des Werkes singen Blanziflor, ein Held der französischen Rittersage, und Helena eine mitreißende Hymne auf die Liebe.
In den Carmina Burana fand Orff seine eigene musikalische Sprache. Die mittelalterlichen Texte inspirierten ihn nicht zu Sehnsucht und Nostalgie, wie es noch in der Romantik, wenige Jahre früher, üblich war, sondern zu einer prall-sinnlichen Musik mit starker Vereinfachung in Rhythmik und Harmonik; ein Weg, der von Beobachtern mit Begriffen wie „zurück zum Elementaren“, aber auch „Primitivismus“ beschrieben wird. Wie so oft scheint die Wahrheit an einem undefinierten Punkt zwischen den Extremen zu liegen.
Die 1937 uraufgeführten Carmina Burana begründen Orffs weltweiten Erfolg und zählen zu seinen populärsten Werken.

Was muss das für eine Musik sein, ohne die Henry Maske den Boxring nicht betrat, auf die Michael Jackson bei seinen Bühnenshows nicht verzichtete und die nach wie vor für Wohltätigkeitsveranstaltungen und Werbespots benutzt wird?
Zur Zeit der Entstehung als ein Werk verschlüsselter subversiver Gesinnung verstanden und geduldet, 70 Jahre danach als musikalischer Beweis der Gesinnungskonformität des Komponisten missverstanden und angefeindet – nichts kann die Aktualität dieses scheinbar ahistorischen Stücks besser beweisen als seine einzigartige Rezeptionsgeschichte.
Obwohl das Verständnis der „Carmina Burana“ durch die lateinischen Texte sehr erschwert wurde, gehören sie heute zu den meistgespielten Werken der Welt. Unter Berücksichtigung von Zeugnissen des Komponisten zeichnet dieses Buch („Carmina Burana“ bei Schott Music erschienen) die Entstehungs- und Wirkungsgeschichte nach und erörtert die wachsende Popularität der „Carmina“.